Donnerstag, 28.09.2017

13:30 - 15:00

N 108

S28-01

Das Alter(n)s- und Kritikverständnis in ausgewählten Theorien der Kritischen Gerontologie - Fortsetzung einer Diskussion

Moderation: K. Aner, Kassel; A. S. Richter, Kassel

Session des Arbeitskreises „Kritische Gerontologie”

Unter Der Überschrift der „Kritischen Gerontologie“ werden unterschiedliche gerontologische Ansätze zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit insbesondere in ihrer Abgrenzung von naturwissenschaftlich geprägten Vorstellungen „objektiven Wissens“ zu sehen ist. Zentral ist dabei die Annahme, dass Alter(n) immer auch als soziale Konstruktion und damit auch nicht unabhängig von gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu verstehen ist. Die hier versammelten Ansätze beziehen sich jedoch auf höchst unterschiedliche theoretische Traditionen mit teilweise widersprüchlichen epistemologischen Grundannahmen. Das Verständnis dessen, was mit sozialer Konstruktion gemeint ist oder worauf sich die Kritik bezieht, ist demnach vielfältig und heterogen. Im Symposium soll das spezifische Verständnis von Alter(n) und Kritik in ausgewählten Ansätzen der Kritischen Gerontologie verdeutlicht und vergleichend diskutiert werden.

13:30
Altern und Kritik aus der Perspektive des "Cultural-Aging"-Ansatzes
S28-01-01 

J. Wolf; Magdeburg

Im "Cultural-Aging"-Ansatz werden Altersdiskurse und Thematisierungen des Alterns rekonstruiert, einschließlich historischer und kulturvergleichender Perspektiven. Alternsdiskurse erweisen sich dabei vielfach als Ordnungsdiskurse. Das kritische Potential ergibt sich aus der Distanz zu substantialistischen Aussagen über den Alternsprozess und normativen Implikationen von gerontologischen Indikatoren und Messinstrumenten (z.B. der "Aktivität").

13:55
Wie kritisch ist die narrative Gerontologie?
S28-01-02 

L. Amrhein; Dortmund

Aktuelle Ansätze der Narrativen Gerontologie argumentieren, dass biografische Bedeutungen in Erzählungen und Gesprächen konstruiert, rekonstruiert und dekonstruiert werden. Damit stellen sie etablierte Entwicklungstheorien der Gerontologie in Frage, die typische Phasen und Verläufe postulieren und sie normativ mit spezifischen Rollenanforderungen und Entwicklungsaufgaben verbinden. Im Vortrag werden mit den Konzepten von Kenyon/Randall und Holstein/Gubrium zwei prominente Ansätze der Narrativen Gerontologie daraufhin überprüft, welches Verständnis von sozialer Konstruktion sie haben und welche kritischen Implikationen damit verbunden sind. Abschließend wird ein eigener Vorschlag skizziert, wie diese mikrosoziologisch fundierten Ansätze in ein kritisch-gerontologisches Mehrebenenmodell der sozialen Konstruktion von Alter und Altern eingebettet werden können.

14:20
Sozio-Materialität von Alter und Altern: „Doing Age“ aus der Perspektive des New Materialism
S28-01-03 

G. Höppner, M. Urban; Münster, Bremen

Dieser Vortrag erweitert das sozialkonstruktivistische Konzept des „Doing Age“ um eine materialitätsbezogene Perspektive, die alternde Körper und Formen von Handlungsmächtigkeit im Prozess des Alterns neu bestimmt. Diese Erweiterung zielt auf eine Dezentralisierung des im „Doing Age“ Konzept zentral gesetzten menschlichen Akteurs. Somit können Alter und Altern sowohl in den Bezügen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Sozio-Materialitäten verortet als auch verteilte Handlungsmächtigkeiten analysiert werden.

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