Freitag, 29.09.2017

11:15 - 11:45

Posterausstellung

Moderierte Postersession - Gruppe 1

Moderation: S. Strumpen, Berlin

11:15
Das unsichtbare Engagement – habitus- und milieuspezifische Engagementformen im Alter
P03 

V. Miesen; Aachen

Hintergrund: Partizipation und bürgerschaftliches Engagement sind mittlerweile zu zentralen gerontologischen Leitprinzipien geworden. Dabei werden zunehmend auch Fragen sozialer Ungleichheit thematisiert, denn die bisherigen (meist quantitativen) Forschungen zeigen, dass in Handlungsfeldern des bürgerschaftlichen Engagements insbesondere Menschen in mittleren sozialen Lagen zu finden sind. Die mäßigen Engagementquoten von Personen unterer sozialer Milieus und die damit verbundene Stigmatisierung als „beteiligungsunwillige BürgerInnen“ sind jedoch zu hinterfragen. Qualitative Studien rücken ins Licht, dass Personen unterer sozialer Milieus sich weniger in etablierten und öffentlich sichtbaren Formen engagieren, sondern vermehrt in familiären und freundschaftlichen Netzwerken und im sozialen Nahraum. Diese sogenannten „informellen Hilfeleistungen“ werden jedoch nicht zum bürgerschaftlichen Engagement gezählt und nicht in den Blick genommen. Methodik: Der auf einem Dissertationsprojekt aufbauende Beitrag beleuchtet dieses „unsichtbare Engagement“ in einem exemplarischen Stadtteil gestützt auf Bourdieus Habitus-Feld-Konzept und legt die These zugrunde, dass das „Feld des Engagements“ zu Exklusionsprozessen führt, indem bestimmte Formen von Engagement als legitim gesetzt werden und andere Formen abgewertet werden. Anhand themenzentrierter Interviews, welche habitushermeneutisch ausgewertet wurden, stellt der Beitrag Fallstudien dar, die eine neue Perspektive aus Sicht der Akteure auf Engagement ermöglichen. Ergebnisse und Diskussion: Trotz der von der Enquete-Kommission formulierten Erkenntnis, dass die Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozialen und kulturellen Milieu einen größeren Einfluss auf Engagementtätigkeiten hat als der Lebensabschnitt Alter, blieb ein habitus- und milieuspezifischer Forschungszugang zu Engagementformen bisher aus. Das Dissertationsprojekt widmet sich diesem Forschungsdesiderat. Tätigkeiten im bürgerschaftlichen Engagement werden nicht nur als individuelles Handeln verstanden, sondern soziale Logiken und Ausgrenzungsmechanismen im Feld des bürgerschaftlichen Engagements deutlich. Insbesondere vor dem Hintergrund verstärkter Diskussionen um Modelle von Caring Communities, die auf Unterstützungsbereitschaft aller BürgerInnen aufbauen, sollte der wissenschaftliche Blick auf vorhandenes, bisher aber unsichtbares Engagement gelenkt werden.

11:15
Advokatorik - Assistierende & stellvertretende Fürsprache gegenüber Menschen mit Demenz
P06 

F. Wernicke; Freiburg

Dementielle Erkrankungen bedrohen die individuelle Autonomie und selbstständige Lebensführung Betroffener. Dies gilt umso mehr, wenn zusätzlich eine (dauerhafte) Unterbringung in einer stationären Versorgungseinrichtung erfolgt. Oft ergibt sich in diesen Lebenssituationen ein hoher Bedarf an kompensatorischen Leistungen durch andere Menschen. Formen dieser Unterstützung sind bspw. die assistierte Willensbildung sowie die teilweise oder vollständige Übernahme von Rechtgeschäften und persönlichen Entscheidungen.

In meiner Dissertation problematisiere ich den Begriff der Advokatorik gegenüber Menschen mit Demenz. Advokatorik wird hierbei  im Sinne assistierender sowie stellvertretender Fürsprache in alltäglichen wie formellen Entscheidungszusammenhängen verstanden. Untersucht werden sollen institutionalisiert lebende ältere und die sie advokatorisch begleitenden Menschen.

Die aktuelle Fragestellung bezieht sich auf die Möglichkeiten Älterer zur (relational) autonomen Entscheidungsfindung, auch jenseits sprachlicher Grenzen. Zudem fragt die Arbeit nach Motiven, Repräsentationen und Handlungsstrategien advokatorisch Tätiger.

Innerhalb der Poster-Session möchte ich die Fragestellung präsentieren und mit dem Fachpublikum präzisieren. Zuudem möchte ich die Gelegenheit der Präsentation nutzen, um die weitere Vorgehensweise innerhalb meiner Arbeit gemeinsam kritisch zu reflektieren.

11:15
Geteilte Sorge und Fluid Care? Einstellungen zum Pflegen und Gepflegtwerden bei den Münchner Babyboomern
P07 

U. Otto, G. Steffen; Zürich/CH, Stuttgart

Ausgangslage: Auch unter den großstädtischen jüngeren Alten will der Löwenanteil selbst einerseits am liebsten zu Hause wohnen bleiben können. Andererseits ist die Übernahmebereitschaft zu Pflege und Betreuung gegenüber Nahestehenden weiterhin ausgeprägt – immer seltener aber in der Figur der aufopferungsvollen "Hauptpflegeperson".

Ziel: Die Studie hatte zum Ziel, Lebensweisen, Einstellungen und Ressourcen der Babyboomer in der Großstadt München zu erheben und prospektiv zu analysieren. Incl. des Bereichs Pflege und Betreuung, in Geber- und Nehmerperspektive.

Methoden: Grundlage des Posters sind Befunde der repräsentativen Studie "Älter werden in München". Es kam ein Mix aus versch. Methoden zum Einsatz. Kern war eine schriftliche Befragung: Ende 2013 wurden knapp 10.000 stichprobenartig ausgewählte Haushalte angeschrieben, in denen mind. eine Person 55-75 Jahre alt war. 28% Rücklauf sind für eine schriftliche Befragung mit mehr als 100 Fragen sehr hoch.

Ergebnisse & Diskussion:

  • Es zeigt sich ein sehr differenziertes Bild einer durchaus hohen Unterstützungsbereitschaft einerseits, einer sehr unterschiedlich ausgeprägten Unterstützungserwartung andererseits
  • Deutlich werden Modernisierungsfolgen wie die häufigere räumliche Ferne potenzieller Pflegender
  • Viel spricht für die These, dass mehr gemischte Settings geteilter Verantwortungsübernahme gewünscht werden – sowohl aus Geber- wie aus Empfängersicht
  • Der Wunsch nach alternativen Formen zu hergebrachten Pflegeheimen ist sehr häufig, innovative Formen erfahren deutliche Zustimmung
  • Nichtverwandtschaftliche Potenziale sollten genau analysiert werden
  • Große Teile der Befragten gehen nicht (mehr) davon aus, im Bedarfsfall auf verbindl. informelle Pflege zählen zu können
  • In allen Dimensionen findet sich hohe soziale Ungleichheit
11:15
Digitale Kluft im Alter bleibt bestehen – Entwicklung und Determinanten der Internetdiffusion im Alter zwischen 2002-2016
P12 

M. Doh; Heidelberg

Das Internet gilt als Schlüsselmedium einer zunehmend digitalisierter Lebenswelten. Dabei nahm in den letzten Jahren auch die Verbreitung und Nutzung des Internets unter älteren Menschen stark zu. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie nutzten 2016 11,9 Millionen Personen ab 60 Jahren das Internet zumindest selten, 2002 waren es erst 1,5 Millionen (Koch & Frees, 2016). Gleichwohl besteht ein unterschiedliches Diffusionsniveau in den Altersgruppen. Anhand eigener Sonderanalysen aus der bevölkerungsrepräsentativen Medienstudie (N)Onliner-Atlas, die seit 2002 alljährlich durchgeführt wird (N=30.000-50.000), sollen folgend Forschungsfragen beantwortet werden:

a) Welche soziodemographischen Merkmale beeinflussen im Alter die Diffusion des Internets?

b) Welche prädiktive Bedeutung weisen diese soziodemographischen Einflussfaktoren auf über den Beobachtungszeitruam 2002 bis 2016?

c) Welchen Entwicklungsverlauf hat die digitale Kluft zwischen 2002 und 2016 genommen?

Die Ergebnisse demonstrieren für den Beobachtungszeitraum 2002 bis 2016 eine überdurchschnittliche Diffusionsentwicklung für Altersgruppen ab 60 Jahren auf. Nach Alterskohorten fanden sich hingegen nur moderate Zuwächse. Die multivariaten logistischen Regressionsmodelle unterstreichen eine konstante Bedeutung soziodemografischer Merkmale wie Alter, Bildungs- und Einkommensstatus, Haushaltsgröße und Region (alter versus neue Bundesländer). Ein aus diesen relevanten Prädiktoren erstellter Digitaler Index zeigt auf, dass zwar die Digitale Kluft insgesamt in Deutschland zurückgeht, jedoch am wenigsten unter den Personen ab 60 Jahren. In dieser Altersgruppe bestehen weiterhin enorme Diffusionsunterschiede entlang der bekannten soziodemographischen Merkmale.

11:15
GeriNetzBW: Unterstützung geriatrischer Netzwerke in Baden-Württemberg durch den IT-basierten Austausch von Routinedaten
P13 

T. Obenauer, U. Sperling, H. Burkhardt, N. Röll; Mannheim, Karlsruhe

An der geriatrischen Behandlung sind zahlreiche Berufsgruppen beteiligt. Pflegende, Therapeuten, Haus- und Fachärzte, Akutkrankenhaus, Rehabilitationseinrichtungen, Sanitätshäuser und Apotheken haben jeweils Einblicke in die Bedürfnisse der Patienten. Unbefriedigend ist jedoch häufig der zu geringe Austausch untereinander und mit koordinierenden Stellen. Es fehlt an konkreten vernetzten Konzepten, damit die Vielzahl der Beteiligten effizient zum Wohl des Patienten miteinander arbeiten kann.

Das Projekt GeriNetzBW, das vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg gefördert wird und in dem das Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe, die Universität Heidelberg: Medizinische Fakultät Mannheim und das Deutsche Rote Kreuz in Bad Friedrichshall zusammenarbeiten, zielt auf die Unterstützung und exemplarische Entwicklung lokaler geriatrischer Versorgungsnetzwerke mit ambulanten, integrierten und stationären Angeboten.

Hierzu wurden zwei Versorgungsnetze im städtischen (Mannheim) und im ländlichen Raum (Bad Friedrichshall) exemplarisch aufgebaut, unterstützt und miteinander verglichen. Dazu wurden folgende Schritte unternommen:

1. Aufbau geeigneter Netzwerkstrukturen

2. Prozessentwicklung zur fachlichen Abstimmung der Patienteneinschätzung

3. IT- Unterstützung der Netzwerkarbeit durch gemeinsamen Datenpool und Benutzeroberfläche

4. Anonymisierte Langzeitarchivierung, Qualitätssicherung, Benchmarking

Die Ergebnisse der Befragungen bei den beteiligten Netzwerkpartnern über Prozesse und Desiderate der Kommunikationsabläufe zeigen Ansatzpunkte und Bedarfe für die Verbesserung der Kommunikationsabläufe. Eine erste in ihrem Funktionsumfang noch eingeschränkte Version der GeriNetzBW-Software wurde entwickelt und von den Netzwerkpartnern getestet. Ergebnisse der laufenden Evaluation werden berichtet. Ethische Fragen werden diskutiert.

11:15
Konzeptentwicklung und erste Umsetzung zur Akzeptanz technischer Assistenzsysteme bei der älteren ländlichen Bevölkerung
P14 

A. S. Esslinger, H. Truckenbrodt; Fulda, Würzburg

Der möglichst lange Erhalt der Selbständigkeit und Unabhängigkeit ist auch im Alter ein Ziel der meisten Menschen. Insbesondere aber in ländlichen Regionen ist das Erreichen dieses Ziels mehrfach erschwert. Beispielsweise zieht es junge Menschen (meist beruflich bedingt) in die Ballungsräume/Städte und das direkte soziale Netzwerk verkleinert sich. Familienstrukturen verändern sich entsprechend und man bleibt in der häuslichen Umgebung oftmals alleine. Dazu kommt, dass aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen die eigene Mobilität abnimmt und man abhängig wird vom Bezug externer Hilfe. Allerorts wird nun in diesem Zusammenhang von den Vorteilen des Einsatzes von Assistenzsystemen (AAL-Leistungen) gesprochen.

Tatsächlich sind AAL-Leistungen sinnvoll und können unterstützend wirken. Dies kann aber nur so sein, wenn sie den Adressatenkreis auch wirklich erreichen. Wie die vorhandenen Assistenzsysteme sinnhaft an die Nutzer vermittelt werden können und wie anschließend vor allem die Akzeptanz auf Nutzerseite erhöht werden kann, steht im Mittelpunkt des Beitrags.

Es wird anhand eines Fallbeispiels in einem „Dorfhaus“ im ländlichen Raum geschildert, wie zunächst, in Kooperation eines bereits bestehenden LEADER-geförderten Vereins ein Konzept zur Kommunikation und Akzeptanz von AAL-Leistungen entwickelt wurde und dieses anschließend in die Umsetzung gelangte. In dem Dorfhaus sind seit gut einem Jahr Assistenzsysteme etabliert und wurden für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Erfahrungen aus der Entwicklungs- und Umsetzungsphase des Projektes werden vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Erfolgsbausteine und Hindernisse werden ebenso verdeutlicht.

Die Poster können ab den 28.09.2017 ab 9:00 Uhr angebracht werden und müssen am 29.09.2017 bis 16:30 Uhr abgenommen werden. Danach noch hängende oder nicht abgeholte Poster werden entsorgt.

Die maximale Postergröße beträgt DIN A0 Hochformat (H 118,9 cm x B 84,1 cm). Befestigungsmaterial wird an der Anmeldung bereitgestellt.

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