Freitag, 29.09.2017

09:30 - 11:00

N 101

S29-06

Session: Engagement und Generationen

Moderation: U. Otto, Zürich/CH

09:30
Mehrgenerationenwohnen. Diversität an Alterskonzepten beim Leben in intergenerationalen Gemeinschaften
S29-06-01 

S. Thomas, S. Schröder; Potsdam

Mehrgenerationenwohnen erfährt eine zunehmende Aufmerksamkeit. Neue Projekte gründen sich zu den geschätzt 3000 bestehenden. Insbesondere vor dem Hintergrund der vielfältigen medial und politisch diskutierten Krisenszenarien, wie die Überalterung der Gesellschaft bei gleichzeitiger Krise des Sozialen in einer individualisierten Gesellschaft, stellt sich die Frage, inwieweit diese Wohn- und Projektform alternative Möglichkeiten des Altwerdens bieten.  Mehrgenerationenwohnprojekten als freiwillige, posttraditionelle Gemeinschaftsform ist gemeinsam, dass sie mindestens drei Generationen in ihrer Bewohner*innen-Struktur mitdenken. Diese Diversität ist explizit erwünscht, birgt jedoch vielfältige Herausforderungen und Konflikte, denen in alltäglichen Praxen individuell und gemeinschaftlich begegnet werden müssen. Vor diesem Hintergrund fragen wir: Wie wird das Thema Alter beim Leben in intergenerationalen Gemeinschaften verhandelt? Welche Voraussetzungen und Schwierigkeiten der Teilhabe gibt es? Welche Erfahrungen und Wünsche bringen die „Älteren“ mit?

Diese Frage untersuchen wir auf der Grundlage von partizipativen Forschungsworkshops, Gruppendiskussionen und Interviews mit Bewohner*innen, die wir seit Mai 2016 im Forschungsprojekt „Mehrgenerationenwohnen in die Platte - Gemeinschaft und intergenerationaler Transfer für eine selbstbestimmte Lebensführung im Alter“ durchführen.  

Vorläufige Ergebnisse sind, dass das unterschiedliche Alter der Beteiligten, vor allem das Altsein thematisch ausgeblendet wird. Erst auf Nachfrage, sprechen die Älteren davon, dass das Alter für sie sehr wohl eine Rolle spielt. Einerseits können sie sich aufgrund eines „Mehr an Zeit“ stärker für die Gemeinschaft, vor allem für das Soziale engagieren. Andererseits wird mit zunehmenden Alter die gleichberechtige Mitwirkung in der Projektpraxis zur Herausforderung. Des Weiteren ist auffällig, dass gegen eine Vereinsamung und Isolation angelebt wird, jedoch keine Konzepte für Hilfe- und Pflegebedarfe vorhanden sind.

09:55
Einfluss eines intergenerationellen Senioren- und Jugendzentrums auf die außerfamiliären informellen Beziehungen Älterer im Freizeitbereich
S29-06-02 

S. Lechtenfeld; Dortmund

Vor dem Hintergrund der demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen sowie den damit einhergehenden Wandlungsprozessen im Verhältnis von „Jung“ und „Alt“ erfahren die außerfamiliären Generationenbeziehungen zunehmend Bedeutung und Beachtung. Frei gewählte Beziehungen außerhalb der Familie weisen eine starke Konzentration auf altersgleiche Personen auf. Dabei sind außerfamiliäre Begegnungen zwischen Alt und Jung meist Gelegenheitskontakte, die von kurzer Dauer und geringer Intensität geprägt sind oder professionell vermittelte Kontakte, z.B. LehrerInnen, Pflegepersonal. Oberflächliche Begegnungen und mangelnde Erfahrungen mit Älteren bzw. Jüngeren tragen zu negativen Zuschreibungen und Einstellungen bei. Mit Blick auf die Ausdehnung der gemeinsamen Lebenszeit der Generationen ist es erforderlich, negativen Alters- und Jugendbildern entgegenzuwirken, um den Zusammenhalt zwischen den Generationen zu fördern und zu stärken. In diesem Zusammenhang ergeben sich wichtige Herausforderungen in der Anregung, Initiierung und Gestaltung persönlicher informeller außerfamiliärer Generationenbeziehungen. Im Rahmen der Qualifizierungsarbeit wird untersucht, 1) inwieweit der Besuch eines intergenerationellen Senioren- und Jugendzentrums und die Teilnahme an Generationenprojekten die Zuschreibungen von SeniorInnen in Bezug auf Jugendliche verändern und 2) inwieweit eine solche Einrichtung Einfluss auf die informellen außerfamiliären Beziehungen von älteren Menschen besitzt. Folgende Fragestellungen werden u.a. bearbeitet: Inwieweit begegnen sich Angehörige der älteren und jüngeren Generation generell im Freizeitbereich? Wie nehmen SeniorInnen allgemein die außerfamiliären Beziehungen zu Jugendlichen wahr und inwieweit unterscheiden sich diese von den Beziehungen zu den eigenen Enkeln? Welche Eigenschaften schreiben SeniorInnen Jugendlichen außerhalb der Familie zu? Wie verändern sich die Jugendbilder älterer Menschen durch den Besuch eines intergenerationellen Senioren- und Jugendzentrums? Zur Untersuchung dieser Fragestellungen wird ein Methodenmix aus qualitativen (problemzentrierte Interviews, egozentrierte Netzwerkkarte) und quantitativen Forschungsmethoden (schriftliche Befragung, semantisches Differenzial) angewendet. Im Rahmen des Beitrages werden erste Ergebnisse der Interviews und der schriftlichen Befragung der SeniorInnen vorgestellt.

10:20
Bürgerschaftliches Engagementpotenzial und tatsächliches Engagement im hohen Erwachsenenalter – eine Längsschnittbetrachtung
S29-06-03 

F. Micheel; Wiesbaden

Fragestellung: Die Intention zu bürgerschaftlichem Engagement im hohen Erwachsenenalter wird vor dem Hintergrund eines aktiven Älterwerdens in Deutschland als ernstzunehmende Potenzialdimension diskutiert. Ob sich dieses Potenzial zu einem späteren Zeitpunkt entfalten wird, ist bislang kaum untersucht worden. Dieser Beitrag analysiert den vermuteten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang anhand empirischer Daten.

Daten und Methoden: Datengrundlage ist die Längsschnittstudie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) mit zwei Befragungswellen aus den Jahren 2013 und 2016. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer sind zwischen 1942 und 1958 geboren. Das analytische Sample beinhaltet 1.128 Personen, die zur ersten Befragungswelle keine bürgerschaftliche Aktivität ausübten. Diese wurden befragt, ob ein Interesse daran bestünde, in Zukunft bürgerschaftlich aktiv zu werden. In der zweiten Befragungswelle wurde erfasst, inwiefern ein bekundetes Interesse zu T1 mit einem tatsächlichen Engagement zu T2 korrespondierte. Dieser Haupteffekt wurde in binär-logistischen Regressionsanalysen für persönliche (bspw. Big Five), ressourcenbasierte (z. B. Gesundheit) und demographische Merkmale (Alter, Geschlecht) sowie für vergangenes Engagement kontrolliert.

Ergebnisse: Von den Personen, die zu T1 eine Intention äußerten, war zu T2 jede vierte Person bürgerschaftlich aktiv. In der Vergleichsgruppe (keine Intention) war lediglich jede achte Person engagiert. Unter Berücksichtigung der o. a. Kontrollvariablen blieb der statistische Effekt in seiner Stärke robust (OR=2,0; 95%-KI: 1,4-2,8). Bürgerschaftliches Engagement in der Vergangenheit zeigte ebenfalls einen statistisch auffälligen, jedoch etwas schwächeren Effekt (OR=1,7; 95%-KI: 1,3-2,3).

Implikationen: Die Intention zu bürgerschaftlichem Engagement stellt in Bezug auf eine spätere Realisation einen zuverlässigen Prädiktor dar. Dieser Befund unterstreicht die Relevanz des potenziellen bürgerschaftlichen Engagements innerhalb des Diskurses über das aktive Altern in Deutschland. Für die Praxis lässt sich daraus ableiten, dass die Bereitschaft zu einem Engagement erkannt und daraufhin unterstützend gefördert werden sollte, um bürgerschaftliche Mitverantwortung in der Gesellschaft des längeren Lebens zu verankern und zu stärken.

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