Donnerstag, 28.09.2017

13:30 - 15:00

N 101

S28-06

Session: Pflege- und Sorgearbeit in stationären Settings

Moderation: A. Hoff, Görlitz

13:30
Magnetkräfte in der stationären Langzeitpflege: Das Konzept des ANCC und seine Übertragbarkeit auf deutsche Einrichtungen der Langzeitpflege
S28-06-01 

A. S. Esslinger, F. Salinger, B. Heyden; Fulda, Aalen

In den 80er Jahren entstand das Konzept "Magnet-Krankenhaus" des American Nurses Credentialing Center (ANCC) in den USA für die Pflege in Krankenhäusern. Grundgedanke des Magnet-Programms ist, durch Exzellenz in der Pflege das Gesundheitswesen zu reformieren. Hierbei wird auf die fünf Dimensionen "Transformative Führung", "Strukturelle Befähigung", "Exemplarische professionelle Praxis", "Neues Wissen, Innovationen und Verbesserungen" sowie "empirisches Outcome" fokussiert. Dem Magnet-Ansatz ist implizit zu eigen, dass gute Pflege zu guten Patientenoutcomes führt. Es wird auf Grundlage pflegespezifischer Informationen und Indikatoren eine Aussage über die Gesamtqualität der Versorgung einer Einrichtung getroffen. Hauptziel des Konzeptes ist, ein bestmögliches Arbeitsumfeld für Mitarbeiter/innen zu schaffen und damit beste Patientenergebnisse zu erreichen. Die Magnetanerkennung für pflegerische Exzellenz (ANCC-Zertifizierung) hat dann einen positiven Einfluss auf die Reputation des Hauses und führt so zu einem Zulauf an Patienten bzw. Bewohnern und Top-Personal in der Pflege sowie auch in der Führung. Diese Fokussierung auf die Pflege erscheint einerseits vielleicht provokativ andererseits als sachlogische Konsequenz der täglichen Versorgungspraxis in Krankenhäusern.

Im Mittelpunkt des Beitrags stehen konzeptionelle Überlegungen inwieweit es gelingen kann, die Prinzipien des ANCC als Magnetkräfte in Deutschland anzuwenden und noch konkreter – auf ein alternatives Feld – die stationäre Langzeitpflege zu übertragen. Dies nicht zuletzt, weil der Pflegefokus im Modell immanent ist.

Zunächst wird das Konzept vorgestellt. Es werden dann kurz die (spärlichen) Ergebnisse einer systematischen Literaturanalyse zur Übertragbarkeit der Idee des Magnet-Krankenhauses nach Deutschland und in die Langzeitpflege präsentiert. Der mögliche Nutzen von Magnetkräften vor den Rahmenbedingungen der Pflege in Deutschland wird ebenso diskutiert wie die Erfordernisse an Einrichtungen, die sich zum Ziel setzen, das Modell als Orientierungspunkt ihrem täglichen Handeln zugrunde zu legen. Hierbei wird von den tatsächlichen Erfahrungen einer Einrichtung mit knapp 200 Bewohnern berichtet, die das Modell in ihr bestehendes Managementsystem integriert.

13:55
Strategie und Maßnahmen für den Umgang mit alternden Pflegebelegschaften im Krankenhaus
S28-06-02 

A. S. Esslinger, E. Deierlein, P. Curth; Fulda

Aufgrund der demografischen Veränderungen steht der Arbeitsmarkt generell vor großen Herausforderungen.

Dies trifft vor allem auch die Kranken- und Pflegeberufe. Pflegekräfte im Krankenhaus als Arbeitgeber zu finden, sie langfristig an die Häuser zu binden und ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten ist eine große Herausforderung. Dies noch dazu vor dem Hintergrund „alternder Belegschaften“. Aufgrund der Erfordernisse einer hohen Dienstleistungsqualität und Wirtschaftlichkeit in deutschen Kliniken muss das Management geeignete Strategien und Maßnahmen entwickeln, eine altersgerechte Beschäftigung zu ermöglichen.

Der Beitrag stellt eine entsprechend entwickelte „Toolbox“ (Inhalte: Altersstrukturanalyse, Age-Management, Work-Ability-Index und Organisationsstruktur-Tätigkeit-Individuum-Konzept-Ansatz („OTI“)) für die Pflegekräfte der Altersgruppe 50+ vor, deren Akzeptanz anhand einer quantitativen Online-Befragung bei 296 Krankenhäusern untersucht wurde.

Im Ergebnis antworteten 70 Krankenhäuser vollständig auf alle Fragen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der befragten Krankenhäuser von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen ist. Gezielte Maßnahmen finden bei mehr als der Hälfte der Antwortenden Anwendung. Bei 80 Prozent der Krankenhäuser wurde bislang eine Altersstrukturanalyse durchgeführt, Zusätzlich werden Mittel bereitgestellt, um insbesondere körperliche Belastungen zu vermeiden. In wenigen Krankenhäusern werden in den Dienstplänen die Schichtzeiten individuell gestaltet (knapp 20 Prozent), Mitarbeiter/innen können in andere Arbeitsbereiche wechseln indem sie sich durch entsprechende Aus- und Weiterbildungen für administrative/organisatorische Aufgaben qualifizieren (in ein Drittel der Fälle). Aus den Antworten geht hervor, dass angebotene Maßnahmen von der Gruppe der älteren Arbeitnehmer/innen nur zögerlich angenommen werden. Zudem empfinden insbesondere Teile der jüngeren Belegschaft eine Sonderbehandlung der Älteren als Bevorzugung.

14:20
Ehrenamtliche Demenzbegleiter im Krankenhaus: Best-Practice und Evaluation
S28-06-03 

E. Kaufmann, M. Gosch; Nürnberg

Menschen mit Demenz benötigen im Krankenhaus besondere Rahmenbedingungen, die ihre Bedürfnisse berücksichtigen (Zieschang&Bauer, 2017). Um die Situation im Akutkrankenhaus zu verbessern, werden zunehmend Konzepte demenzsensibler Versorgung umgesetzt (Büter u.a., 2016). Hierzu gehört auch der Einsatz ehrenamtlicher Demenzbegleiter. Seit 2012 schult das Klinikum Nürnberg Laien zur Begleitung von Menschen mit Demenz (Eggenberger u.a., 2013).

Ein Überblick über das Schulungscurriculum, das Akquise- und Auswahlverfahren, den Implementierungsprozess und die Qualitätssicherungsmaßnahmen wird gewährt, sowie die Ergebnisse einer Personalbefragung präsentiert.

Das pflegerische, ärztliche und therapeutische Personal von fünf geriatrischen und neurologischen Stationen mit insgesamt 126 Betten wurde mithilfe semi-strukturierter Fragebögen befragt. Auf diesen Stationen waren 28 Ehrenamtliche im Einsatz.

103 Pflegekräfte wurden um ihre Einschätzung gebeten, die Rücklaufquote betrug 33 Prozent. Im ärztlichen und therapeutischen Dienst war der Rücklauf so gering, dass diese aus der Auswertung ausgeschlossen wurden.

70 Prozent des pflegerischen Personals waren mit dem Einsatz der Ehrenamtlichen voll und ganz zufrieden, 30 Prozent eher zufrieden. Die Patienten profitieren nach Einschätzung des Personals vor allem im sozialen und stimmungsorientierten Bereich, aber auch emotional, kognitiv und motorisch.

Die Evaluation zeigt exemplarisch den hohen Mehrwert, der für Personal und Patienten durch den Einsatz von geschulten Laien entsteht. Sie weist darauf hin, dass mit Hilfe geeigneter Prozesse die Widerstände bei der Implementierung aus dem Weg geräumt werden können.

Eine Befragung der betroffenen Patienten ist aus ethischen und forschungsmethodologischen Gründen schwierig. Sie wäre dennoch anzustreben, u.U. in Kombination mit einer Befragung der Angehörigen, um die Einschätzung des Pflegepersonals abzusichern.

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