Donnerstag, 28.09.2017

15:30 - 17:00

N 108

WS28-07

Workshop Alter und Technik: Potenzial und/oder Zukunftsrisiko?

Moderation: H.-W. Wahl, Heidelberg

Ziel der Veranstaltung ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Feld Alter und Technik unter Einbezug von IT-Perspektiven, sozialwissenschaftlichen und pflegewissenschaftlichen Sichtweisen. Spezielles Ziel der Veranstaltung ist das Ausloten von Chancen, aber auch möglichen Risiken des verstärkten Einsatzes von Technologien in unterschiedlichen Kontexten des Alterns vor dem Hintergrund aktueller Gegebenheit wie z.B. der zunehmend gerontologisch formatierten Debatte zu Kostendruck im Gesundheitssystem, pflegenden Gemeinschaften und Suche nach Teilhabe auch in der Situation von Pflegebedürftigkeit. 

Im ersten Teil der Veranstaltung wird es drei Impuls-Statements (je 10 Minuten max.) geben.

15:30
Praxisbasierte und partizipative IT-Gestaltung für die alternde Gesellschaft – von „technisch machbar“ bis „ethisch vertretbar" zur sozialen Innovation
W28-07-01 

C. Müller; Siegen

Als Mittel zur Linderung der drohenden Problemlagen des demografischen Wandels gilt die IT-basierte Spitzenforschung in Forschungsprogrammen wie „Ambient Assisted Living“ oder „Healthy Ageing“. Forschungsansätze wie das maschinelle Lernen verheißen innovative Lösungen für die Unterstützung älterer Menschen zur Prävention, Gesunderhaltung, im Rahmen von Daseinsvorsorge-, Mobilitäts- oder Kommunikationsbedürfnissen. Technik soll dabei vorhandene Ressourcen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.

Zwischen den Lebens- und Denkwelten der IT-Spitzenforscher und den Alltagswelten älterer Menschen kann mitunter allerdings eine große gedankliche Kluft bestehen, die es zu überbrücken gilt, wenn innovative Technologien so gestaltet und angepasst werden sollen, dass sie sinnstiftende Lebensweisen aus Sicht der älteren Menschen unterstützen können.

Der "PraxLabs"-basierte IT-Gestaltungsansatz zielt darauf ab, hierfür Brücken zu bauen zwischen Entwicklerwelten und -vorstellungen und aktuellen Lebenswelten älterer Menschen. Langfristige Kooperationsbeziehungen zwischen Designteams und Zielgruppenvertretern sind die Basis für ein zweischrittiges Vorgehen: zunächst geht darum, die Teilnehmer/innen behutsam an Möglichkeiten der digitalen Welt heranzuführen, sodass sie Kompetenzen erlangen, die sie in die Lage versetzen, eigene Entscheidungen über mögliche Techniknutzungen treffen zu können. Aber auch die Designteams haben die Möglichkeit, ihre bestehenden Alter(n)bilder abzugleichen und Dimensionen des Lebens im höheren Alter besser zu verstehen. Dadurch befinden sich alle Akteursgruppen im zweiten Schritt auf Augenhöhe und können den Designprozess gemeinsam verfolgen. 

Am Beispiel des Projekts „Cognitive Village – das vernetzte Dorf“, das sich unter anderem mit der Gestaltung von intelligenten „wearables“, Technologien zum Gesundheitsmonitoring, befasst, soll die Funktion der partizipativen und praxisbasierten Gestaltung aufgezeigt werden als ein Vorschlag, einen Raum für den Diskurs über Nutzen und Risiken von IT-Anwendungen insbesondere aus der Perspektive älterer Menschen zu eröffnen.

15:40
Potenzial und/oder Zukunftsrisiko? Impuls-Statement aus sozialwissenschaftlich-ökonomischer Perspektive
W28-07-02 

U. Fachinger; Vechta

Aus sozialwissenschaftlich-ökonomischer Perspektive werden im Beitrag die Potentiale sowie Herausforderungen, die mit dem verstärkten Einsatz von assistierenden Techniken in unterschiedlichen Kontexten des Alterns einhergehen können, ausgelotet. So wird technischen Assistenzsystemen prinzipiell eine hohe Bedeutung für Lösungen der sich aus einer Gesellschaft des langen Lebens ergebenden Probleme beigemessen, da diese Systeme die Gestaltung des Alltags unterstützen und zur Erhaltung eines selbstbestimmten Lebens beitragen können. Der Einsatz technischer Systeme könnte dazu führen, dass ältere und unterstützungsbedürftige Personen durch Assistenz beim Selbstmanagement möglichst lange in ihrer Wohnung und ihrem sozialen Umfeld verbleiben können. Zudem könnten Hilfe- und Unterstützungsleistungen erleichtert werden, wodurch möglicherweise eine Entlastung von Unterstützungspersonen und informellen sozialen Netzwerken (pflegende Gemeinschaften) bewirkt werden kann. Insgesamt gesehen wird dem Einsatz assistierender Technologien das Potenzial zugewiesen, kompensierend auf die durch die relative und absolute Zunahme Älterer steigenden Ausgaben für eine adäquate Versorgung zu wirken. Hier wird häufig auf den sogenannten Kostendruck im Bereich der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung verwiesen.

Neben den aufgeführten Potentialen könnte durch den Einsatz assistierender Techniken – unter dem Stichwort Digital Divide und unter der Berücksichtigung sogenannter Technikgenerationen – eine weitere Stratifizierung stattfinden und eine Exklusion bestimmter Personengruppen von der gesellschaftlichen Teilhabe erfolgen. Dies könnte beispielsweise auf die sich verschlechternde materielle Situation – so die Reduzierung des Leistungsniveaus der sozialen Sicherungssysteme – und auch durch den unterschiedlichen individuellen Zugang zur Technik bedingt sein. So ist die Technikbereitschaft, d. h. die Technikakzeptanz, Technikkompetenz- und Technikkontrollüberzeugung, unterschiedlich ausgeprägt und kann dementsprechend zu einer unterschiedlichen Nutzung bzw. einem unterschiedlichen Einsatz von technischer Assistenz bis zu einem vollständigen Ablehnen führen.

15:50
Potenzial und/oder Zukunftsrisiko aus pflegewissenschaftlicher Perspektive
W28-07-03 

M. Hülsken-Giesler; Vallendar

Im zweiten Teil der Veranstaltung soll dann eine moderierte Diskussion stattfinden. Dazu wird der Moderator im ersten Schritt noch einmal die wesentlichen vorgetragenen Argumente in Zusammenarbeit mit dem Auditorium zusammenstellen und auf Kärtchen sichtbar präsentieren. Danach sollen diese in Murmelgruppen diskutiert werden. Schließlich sollen die Ergebnisse zusammengetragen werden. Diese werden dann vom Moderator aufbereitet und in den AK „Alter und Technik“ bzw. auch ins DGGG-Präsidium zurückgespeist.

Die Veranstaltung wird organisiert vom DGGG-Arbeitskreis „Alter und Technik“ (Vorstand: Hans-Werner Wahl, Cornelia Kricheldorff, Astrid Hedtke-Becker).

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