Freitag, 29.09.2017

14:15 - 15:45

N 106

W29-15

Workshop Diversitysensible Altenplanung – Herausforderungen und Lösungsansätze

Moderation: B. Eifert, Dortmund; A.-K. Teichmüller, Dortmund

Die Berücksichtigung von Heterogenität im Alter gilt als ein wesentliches Qualitätskriterium für die kommunale Altenplanung und -politik. Aufgabe der Altenberichterstattung ist es, hierfür notwendige Grundlagen zu liefern, indem sie differenzierte und aussagekräftige Daten und Informationen zu den Lebens- und Bedarfslagen der älteren Bevölkerung zur Verfügung stellt. Für die Verantwortlichen und Beteiligten in den Kommunen ist dies mit vielfältigen Herausforderungen verbunden: Ein wesentlicher Faktor ist dabei die notwendige, aber keineswegs selbstverständliche Offenheit und Bereitschaft, sich auf die Vielfalt von Lebenslagen und Lebensformen im Alter einzulassen und sich ernsthaft und wertschätzend damit auseinanderzusetzen. Zu berücksichtigen sind zudem die beschränkte Aussagekraft der amtlichen Statistik zu bestimmten Lebenslagemerkmalen bzw. Bevölkerungsgruppen sowie fehlende oder unzureichende Zugänge zu bestimmten Teilgruppen der älteren Bevölkerung bei in der Regel sehr begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen für den Bereich der kommunalen Altenplanung. Ziel des Workshops ist es, Möglichkeiten und  Grenzen einer diversitysensiblen Altenplanung zu erörtern sowie diesbezügliche Entwicklungsperspektiven zu diskutieren.

Für den Workshop ist folgender Ablauf vorgesehen:

  1. Teil: Vorträge

  • Impulsreferat zu konzeptionellen Grundlagen und strukturellen Rahmenbedingungen einer diversitysensiblen Altenplanung
  • Impulsreferat zu Handlungsansätzen und Praxiserfahrungen zur Berücksichtigung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in Altenarbeit und -planung

  2. Teil: Diskussion im Plenum 

      - Fragestellungen:

  • Inwieweit sind die vorgestellten Praxiserfahrungen auf andere Gruppen mit Diversitätsmerkmalen übertragbar?
  • Welcher Umgang mit Heterogenität in Planungsprozessen ist angemessen und realisierbar?
  • Wie könnte die Berücksichtigung von Vielfalt im Bereich der Altenplanung befördert werden? (Konzepte, Strukturen etc.)

      - Methoden:

  • Moderierte Gruppendiskussion und Visualisierung der Beiträge und Ergebnisse

  3. Teil: Reflexion

  • Kommentierung durch eine Nachwuchswissenschaftlerin im Kontext einer laufenden Dissertationsarbeit
14:15
Heterogenität und kommunale Altenplanung: Möglichkeiten und Hindernisse der Berücksichtigung von Vielfalt in kommunalen Planungsprozessen
W29-15-01 

E. Olbermann, C. Strünck; Dortmund

Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie / Institut für Gerontologie an der TU Dortmund unterstützt seit einigen Jahren, gefördert vom Land NRW,  den Aufbau und die Verstetigung einer systematischen Altenberichterstattung in den nordrhein-westfälischen Kommunen. Altenberichterstattung als Teil des Planungsprozesses liefert die empirische Wissensbasis für die nachfolgenden Schritte der Konzeption und Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung von Lebensqualität im Alter. Mit der Konzeption der Altenberichterstattung und der Auswahl der darin aufgegriffenen Themen wird somit bereits vorstrukturiert, welche Gruppen mit besonderen Bedarfen und Bedürfnissen im weiteren Planungsverlauf Berücksichtigung finden. In neuen Steuerungsmodellen („New Public Governance“) und einer von Anfang an diskursiv und beteiligungsorientiert angelegten Planung wird auch eine Chance gesehen, der zunehmenden Heterogenität der Altenbevölkerung und der damit einhergehenden Vielfalt von Interessen und Bedürfnissen besser Rechnung zu tragen.

Ziel des Vortrages ist es, eine Einführung in die Thematik zu liefern und die Bedeutung von Heterogenität für kommunale Altenplanungsprozesse zu verdeutlichen. Dabei wird von einem weitergefassten Verständnis von Vielfalt ausgegangen, das sowohl primäre als auch  sekundäre Diversitätsdimensionen (bzw. horizontale und vertikale Ungleichheit) einbezieht. Verschiedene Planungsansätze werden im Hinblick auf Aspekte von „Normativität“  und „Diskriminierung“ beleuchtet. Darüber hinaus wird die gegenwärtige Praxis der Altenberichterstattung und -planung in den Kommunen erörtert. Es wird angesprochen, welche Schwierigkeiten entstehen und welche Hemmnisse sichtbar sind, Heterogenität zu berücksichtigen. Außerdem werden mögliche Lösungsansätze vorgestellt.

14:45
Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Altenplanung und Seniorenarbeit: Konzepte und Umsetzungsbeispiele
W29-15-02 

C. Brauckmann, G. Roth; Köln

Die Emanzipationsbewegungen der Lesben und Schwulen kämpfen seit ihren Anfängen in den 1960er Jahren um den Zugang zur gleichberechtigten sozialen und politischen Teilhabe. Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) im Seniorenalter erfahren durch die Gesellschaft oder in den Strukturen, in denen sie leben, immer noch Ignoranz und Ausgrenzung, insbesondere aber auch in ihrer eigenen Generation. Mit zunehmender Abhängigkeit von Unterstützungsleistungen werden ihre Möglichkeiten geringer, selbstbestimmt entsprechend ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität zu leben. Daher ist es naheliegend, die späte Lebensphase dieser Bevölkerungsgruppe in den Fokus zu nehmen und Voraussetzungen zu schaffen, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen.
In dem Vortrag werden zunächst die spezifischen Lebens- und Bedarfslagen von älteren Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen verdeutlicht. Anschließend werden Erkenntnisse und Erfahrungen vorgestellt, die im Rahmen eines mehrjährigen Arbeitsprozesses der vom Land NRW geförderten Fachstelle „Gleichgeschlechtliche Lebensformen in der Senior*innenarbeit in NRW“ gewonnen wurden. Dabei wird auf Konzepte und Praxisbeispiele aus verschiedenen Kommunen eingegangen, die verdeutlichen, wie Sensibilisierungsprozesse in Gang gesetzt, Kooperationspartner gewonnen und Beteiligungsstrukturen aufgebaut werden konnten.
Eine Herausforderung besteht darin, diese begonnenen Prozesse auf breiter Ebene fortzusetzen und Kommunen und Trägern die notwendige Expertise für die Planung und Umsetzung einer diversitysensiblen Altenarbeit und –politik zur Verfügung zu stellen, die die Interessen und Bedürfnisse von älteren Menschen mit unterschiedlichen geschlechterbezogenen Orientierungen und Lebensweisen berücksichtigt.

Diskutantin: A.-K. Teichmüller, Dortmund

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