Freitag, 29.09.2017

12:00 - 13:30

N 206

W29-12

Workshop Heterogenität des Alter(n)s: Instrumente der Quartiersentwicklung

Moderation: U. Fachinger, Vechta

Zahlreiche Analysen weisen darauf hin, dass für eine integrierte Versorgung der heterogenen Gruppe älterer Menschen eine Orientierung an den lokalen Gegebenheiten und damit ein quartiersbezogener Ansatz erforderlich ist. Adäquate lokale Versorgungsstrukturen würden es prinzipiell ermöglichen, den Wunsch der Älteren nach dem langen Verbleib in ihrem gewohnten Sozialraum – trotz kognitiver und physischer Einschränkungen – zu erfüllen.

Möchte man quartiersspezifische Versorgungstrukturen etablieren, so sind im Prinzip drei Akteursgruppen zu berücksichtigen: die Gruppe der älteren Menschen selber, inklusive deren Angehöriger, die Anbieter von Gütern und Dienstleistungen, aber auch die kommunalen Institutionen. Dabei sind die Akteursgruppen in einem interaktiven Prozeß partizipativ an der Entwicklung zu beteiligen, da ein Akteur derartige Strukturen ohne die Beteiligung der anderen („Veto-Spieler“) nicht erfolgreich umsetzen kann.

Die Einbindung der Kommunen in die Quartiersentwicklung ist notwendig, da diese im Rahmen der Daseinsvorsorge zuständig für die Gestaltung der Lebensverhältnisse sind, wobei aufgrund des Subsidiaritätsprinzips u. a. die Pflicht zur Beteiligung frei-gemeinnütziger und privater Träger als Anbieter von Dienstleistungen besteht. Ein anderes Beispiel für die Notwendigkeit der Kooperation bilden assistierende Technologien. Diese werden in vielen Dienstleistungsbereichen kaum eingesetzt, obwohl sie die Effizienz, Effektivität und Qualität von haushalts- oder gesundheitsbezogenen Leistungen für ältere Menschen verbessern können.

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Workshops, Instrumente der Quartiersentwicklung zu diskutieren. Es werden Erkenntnisse aus den Modellvorhaben dargelegt und darauf aufbauend Strategien zu Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen in Quartieren erörtert. Fragen, denen nachgegangen wird, sind u. a., welche Instrumente für welche regionalen Strukturen zur adäquaten Quartiersentwicklung geeignet sind, wie können die Instrumente vernetzt werden sowie durch welche Instrumente eine nachhaltige Entwicklung der Versorgung erreicht werden kann.

12:00
Instrumente der Quartiersentwicklung und ihre Einbettung - QuartiersNETZ: Ältere als (Ko-) Produzenten von Quartiersnetzwerken im Ruhrgebiet
W29-12-01 

E. Bubolz-Lutz, U. Fachinger, E. Heite, H. Rüßler, S. Sachweh; Düsseldorf, Vechta, Gelsenkirchen, Dortmund

Dem im Projekt QuartiersNETZ verfolgten Ansatz der Quartiersentwicklung liegt das Partizipationsparadigma zugrunde. Dies bedeutet, möglichst alle im Quartier tätigen Akteure in die Entwicklung von Netzwerken insbesondere zur ganzheitlichen Versorgung älterer Menschen einzubeziehen. Neben den älteren Menschen selbst sowie deren sozialen Netzen ist es notwendig, die professionellen, semi-professionellen sowie nicht-professionellen (ehrenamtlichen) Anbieter von Gütern und Dienstleistungen und die kommunalen Institutionen an der Entwicklung von (Versorgungs-)Konzepten zu beteiligen. Dies erfordert die Auswahl von Instrumenten, die dies ermöglichen, sowie gegebenenfalls deren Modifikation an die je spezifische Situation in den betreffenden Quartieren. Dabei ist der prozessuale Charakter zu berücksichtigen und in Abhängigkeit vom jeweiligen Entwicklungsstatus die Instrumente anzupassen.

Ziel des Beitrags ist die Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit den prinzipiell zur Quartiersentwicklung geeigneten Instrumenten. Es werden die im Projekt QuartiersNETZ verwendeten Instrumente charakterisiert und vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen im Hinblick auf deren Geeignetheit hin diskutiert. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass die Ansätze in die bestehenden Strukturen einzubetten sind, um nicht in Konkurrenz zueinander zustehen. Bestimmte Instrumente auch in anderen Zusammenhängen verwendet – beispielsweise zur Vernetzung der lokalen Dienstleistungsunternehmen im Rahmen der Wirtschaftsförderung. Dies ermöglicht es aber auch, Synergieeffekte zu erzielen und dadurch eine effektivere und effizientere Quartiersentwicklung zu erreichen. Ferner wurde deutlich, dass neben den gängigen Instrumenten spezifische, aufsuchende Formate zur Erreichung bestimmter Zielgruppen erforderlich sind. Eine weitere Herausforderung stellt die Gruppe der professionellen Dienstleister u. a. aufgrund ihrer Heterogenität dar. Auch dies wurde durch die Verwendung unterschiedlicher Instrumente berücksichtigt. 

12:30
INVISA - eine Annäherung an eine ganzheitliche und nachhaltige Versorgung und Teilhabe
W29-12-02 

W. Langguth; Saarbrücken

INVISA - intelligent vernetzt im Saarland: Ein Modellprojekt zur intelligenten Vernetzung von sektorenübergreifender Versorgung, Daseinsvorsorge und Teilhabe im Quartier als Grundelemente nachhaltiger Innovationen für die Zu-kunftsgestaltung des demographischen und strukturellen Wandels im Saarland

Die neuen Gestaltungsspielräume, die sich aus der Strategie der intelligenten Vernetzung der digitalen Agenda der Bundesregierung ergeben, sollen in INVISA genutzt werden, um ziel-gruppengerecht und mit passgenauen digitalen Lösungen Problemstellungen des gesellschaft-lichen und versorgenden Lebens des einzelnen Bürgers und der einzelnen Bürgerin, in den Kommunen und Landkreisen aufzugreifen. INVISA ist auf eine breit angelegte Vernetzungs-teilhabe und Versorgungsnotwendigkeiten hin konzipiert. Durch Nutzung der Möglichkeiten einer intelligenten Vernetzung wird die bestehende Versorgung und Teilhabe grundlegend qualitativ erweitert. Außerdem ist INVISA so universal gestaltet, dass regional wie in anderen Versorgungsfeldern ausgerollt werden kann. Vorrangiges Ziel von INVISA bleibt dabei im-mer, jedem Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand oder möglicher Behinderung mithilfe jetzt schon vorhandener Technik ein Höchstmaß an Versorgung und Teilhabe zu ermöglichen. Diese sollen individuell und passgenau für jeden Menschen gestaltet sein, um die Effizienz der Versorgung als auch der Teilhabe zu optimieren. Das AAL-Netzwerk wird dabei Partner aus Pflege, Ehrenamt, Wirtschaft und Gesundheit zusam-menführen und für die nachhaltige Verankerung des neuen Netzwerks Grundlagen schaffen.

INVISA kann ein möglicher Weg zum Zukunftsmarkt Gesundheit sein, einem Markt, in dem Teile der Wirtschaft der Sozial- und Gesundheitsbereiche sowie der freien Wirtschaft zusam-mengeführt werden. Die häusliche Wohnung entwickelt sich dabei zu einem dezentralen Marktplatz. Für regionale Dienstleister eröffnen sich neue Absatzmärkte für Verbunddienst-leistungen, die für die mittelständische Wirtschaft von großem Interesse sein sollten. Die re-sultierenden Vorteile für die Entwicklung von Sozialausgaben und Pflegekosten („ambulant vor stationär“) und nicht zuletzt für die Lebensqualität der betroffenen Personen sind hinrei-chend bekannt. Das Verbundangebot von INVISA könnte man mit „Social Facility Manage-ment“ umschreiben, mit dem nahezu alle Bedarfe der Menschen in einem vernetzten Quartier abgedeckt werden können.

Diskutanten: E. Bubolz-Lutz, W. Langguth, E. Heite, H. Rüßler, S. Sachweh; Düsseldorf, Saarbrücken, Gelsenkirchen, Dortmund

Zurück